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Technik, Tipps & Tricks für Musiker -

Kabel, Stecker, Brummen etc.

oder

Die Wunderwelt der Lötkolben

 

Haben wir euch nicht schon genug zugemutet ? Muss das alles jetzt wirklich auch noch sein ?

JA ABER HALLO !

Wer schon einmal erlebt hat, wie der hypergeniale Solo-Hammer seines Leadgitarristen durch das Gitarrenkabel gesaust ist, nur um einsam und kläglich in einer defekten Lötstelle irgendwo im Kabel beim Fußboden-Effektgerät zu versickern, nur sanft begleitet vom trockenen Röcheln des Röhrenverstärkers, während sich im Publikum verächtliches, eisiges Schweigen ausbreitet, der weiß, wozu man einige Technik-Grundkenntnisse brauchen kann !

Dabei möchte ich gar nicht aus der PA-Praxis plaudern, wie ein Techniker neulich eine Nebelmaschine an einen Endstufenausgang ankabelte und anschließend nur die Endstufe dampfte oder wie sich dieser tolle Showteil des Punkers damals als Stromstoß zwischen seiner Gitarre und dem Mikrofon aufklärte... (nein - nur ein Scherz !).

Nein, hier soll es nicht um solch besinnliche Dinge gehen. Hier soll mal kurz gesacht werden, was Sache is' .

Dazu möchte ich zu Beginn ein paar dieser kleinen Wunderdinge beim Namen nennen, die den Musiker bei Tag und in der Nacht umgeben ("Liebling, seit du deine fünf Gitarren mit ins Bett nimmst, ist es doch reichlich eng hier...").

 

Instrumentenverbindungen

Dabei ist es wie in der Natur: Die eigentlichen Stecker (eben die mit dem Nippel - wer lacht da, das ist blutiger, technischer Ernst) werden als männlich (male) bezeichnet. Die Buchsen entsprechend als weiblich (female).

Der am meisten verwendete Stecker ist der 6,3 mm Klinkenstecker (1/4" Connector/ Plug). Er wird z.B. bei Gitarren und Bässen oder bei Keyboards benutzt. Die Spitze ("Tip" genannt) führt dabei das Tonsignal, der Schafft wird an die Abschirmung des Kabels angeschlossen.

Manchmal gibt es auch dreipolige Vertreter. Diese werden häufig bei "Einschleifbuchsen" (Inserts), z.B. für Effektgeräte, benutzt. Meist ist die Steckerspitze dabei für das zum Verstärker/ Pult zurückgeführte Signal genutzt, der Ring in der Steckermitte liefert das Signal aus dem Verstärker heraus und das hintere Ende ist, wie im richtigen Leben, die Abschirmung gegen den Rest der Welt. Die bei Kabeln außen um die Innenleiter umlaufende Abschirmung soll elektromagnetische Störungen auf das Tonsignal verhindern.

 

Mikrofonkabel

Hier wird in aller Regel ein XLR-Stecker benutzt. Dies sind die Teile, die, von einem Metallkragen geschützt, drei Stifte enthalten. Sie haben eine Verriegelung, die durch drücken gelöst wird. Dadurch kann das Kabel nicht einfach während des Einsatzes aus dem Mikrofon rutschen.

Diese Stecker, manchmal auch als Cannon- oder Switchcraftsteckverbinder bezeichnet, sind mit kleinen Ziffern zur Kennzeichnung der Kontakte versehen. Dabei wird meistens eine symmetrische Kabelführung genutzt, d.h. das eigentliche Tonsignal liegt einmal "normal" und einmal invertiert (also in der Phase gedreht) vor. Dadurch ist es möglich, Störungen von außen (von Netztrafos, Lichtanlagen, etc.) weitestgehend auszuschalten. Dies funktioniert aber nur, wenn die gesamte Kabelführung eines Mikrofons überall symmetrisch ist. Natürlich sind dazu im Kabel drei Adern erforderlich (Signal, invertiertes Signal, Abschirmung/Masse).

Belegung :

Pin 1 Abschirmung, Pin 2 Signal (+), Pin 3 invertiertes Signal (-).

Möchtet ihr ein symmetrisches Signal unsymmetrisch bekommen (z.B. um ein Mikrofon an ein Tapedeck oder einen unsymmetrische Mischer anzuschließen), könnt ihr das invertierte Signal zusammen mit der Masse (Schirm) an den Schaft eines Klinkensteckers und das Signal an die Spitze des Steckers anschließen. So bekommt ihr ein Adapter von XLR-Buchse (Mikrofonseite) auf Mono-Klinkenstecker (Recorder).

Um ein unsymmetrisches Signal dagegen symmetrisch zu bekommen, muß eine DI-BOX (Direct injection box), also ein Symmetriertransformator (oder eine aktive DI-Box) eingesetzt werden. Das ist schon eine aufwendigere Sache. Bei langen Kabelwegen (z.B. vom Keyboard auf der Bühne zum Saalmixer) ist dies aber die einzige Möglichkeit, ein einigermaßen ungestörtes Signal zu behalten.

Übrigens noch eins :

Es gibt einige Hersteller, die die Szene dadurch in Schwung halten, daß sie bei Mikrofon-XLR-Steckern die Pins 2 und 3 vertauschen (so z.B. AKG). Wenn nun verschieden gepolte Mikrofone dicht beieinander stehen, kann es leicht zu einem hohlen Klang (Phasenauslöschungen) kommen. Dann hilft ein kurzer Adapter, der die Polung nochmal dreht.

 

PA / Recording

Mixer-Ausgang unsymmetrisch : XLR Pin 1 Schirm, Pin 2 Signal

Beim Lautsprecheranschluß empfehle ich Musikern Speakon oder notfalls XLR-Stecker. Die sind stabil und sicher, auch wenn sie etwas teurer sind.

Speakon Pin 1+ Plus, 1- Minus-Anschluss (usw.)

Lautsprecher XLR: Pin 1 Minus (Masse), Pin 2 Plus ("heiß");

Klinkenstecker : Spitze Plus, Schaft Minus.

 

Achtet auf den Kabelquerschnitt bei Lautsprecherleitungen !

Dünne Kabel schlucken mehr Leistung und Klang als man denkt.

Größere Querschnitte als 4 Quadratmillimeter nützen allerdings in den meisten Fällen auch nichts mehr. Ihr solltet aber auch auf keinen Fall alte Gitarrenkabel oder ähnliches nehmen.

Es gilt also: Je länger die Lautsprecherkabel, desto dicker sollte der Querschnitt der Kabel sein. Insgesamt ist es am besten, wenn alle Kabel, egal wo ihr sie verwendet, nur so lang sind, wie ihr sie unbedingt braucht.

 

Allgemeines zu Kabeln

Kabel sind überhaupt wichtiger, als man denkt. Gerade verschiedene Gitarrenkabel können den Sound passiver Gitarren deutlich verändern.

Im Allgemeinen ist bei Kabeln einfach wichtig, daß das richtige Kabel verwendet wird (also kein Lautsprecherkabel als Instrumentenkabel - logisch), daß die Lötungen vernünftig sind (sonst gibt`s Wackelkontakte und solche Sachen) und natürlich, daß die Steckverbindungen richtig belegt werden und ihre Qualität in Ordnung ist (Plastikstecker halten meist nur bis zum ersten Van Halen-Spagat-Sprung).

Ebenso ungeeignet für Musiker- und Pa-Zwecke sind Phono-Steckverbindungen von Stereoanlagen. Den dort benutzten Cinch-, Din- ("Dioden") und Mini-Klinken-Steckern solltet ihr nur so weit trauen, wie ihr sie werfen könnt.

 

Brummen

Eine ganz normale Band (hier, heute) :

Sänger (ruft): "Es brummt".

Alle anderen Bandmitglieder (resigniert im Chor) : "Jaoouu".

Anschließend beginnt eine normale Probe.

 

Inzwischen sind wir schlauer, und wild entschlossen, solche Sachen nicht hinzunehmen, sondern die Ursachen möglichst aufzuspüren.

Also die häufigsten Ursachen in Kürze (und etwas vereinfacht) :

 

- Das Magnetfeld eines Netztrafos aus euren Geräten stört die Elektrik anderer Geräte - Lösung: Geräte weit auseinander stellen (oder auch ferromagnetisches Blech dazwischen montieren).

Ähnliche Störfelder werden sogar von den elektrischen Leitungen in der Nähe verursacht. Umstellen der Geräte hilft aber oft.

- Ihr benutzt Strom-Steckdosen verschiedener Stromkreise ("Phasen"), die auf verschiedenen Wegen ihre "Masse" (Erde) bekommen - Lösung: Richtige Erdung der Geräte untersuchen (siehe unten) und den Strom nur aus einer Steckdose holen und verteilen.

Wenn dabei die Sicherung 'rausfliegt, singt ihr beim Kerzenanzünden :"1-2-3 - Chance vorbei" und schmeißt anschließend die stromfressende Elektroheizung vom Balkon. (Mein Tip: Kaltes Bier ist ja ganz schön - aber müssen es wirklich drei Strom schluckende Kühlschränke im Übungsraum sein?).

- In der Wohnung über eurem Übungsraum rasiert sich jemand. Dadurch gibt es Störungen im Stromnetz (unsauberes Netz - auch z.B. bei Zeltfesten...)

- Lösung: 9 mm genau zwischen die Augen androhen, will sagen, Ursache beheben (notfalls Netzfilter vor Geräte schalten).

- Die aber häufigste Ursache sind Erdungsprobleme. Das beginnt schon, wenn an Instrumentenkabeln die Abschirmung nicht richtig angeschlossen ist. Am besten versucht ihr, die Ursache einzukreisen, indem ihr z.B. immer mehr von der Gesangsanlage abkabelt, bis das Brummen verschwindet. Verschwindet es garnicht, hat das Gerät eine Macke, oder eine der anderen Ursachen ist schuld.

Oft liegt es aber daran, daß Geräte mehr als einmal Massepotential kriegen (Brummschleifen) - also Mehrfacherdungen, z.B. über den Schutzleiter und die Signalmasse. Meist hilft hier, sich ein oder mehr Adapterkabel herzustellen, in denen die Abschirmung nur an einem der Enden (Steker) angelötet ist. So ist schon ein überzähliger Masseanschluß gekillt. So macht man dann weiter, bis nix mehr brummt. Wenn das Signal dann allerding auch weg ist, habt ihr eine Masseverbindung zuviel weggenommen.

Eine noch bessere Lösung ist es, möglichst alle z.B. am Mischpult angeschlossenen Effektgeräte, Endstufen und Mixerausgänge mit speziellen Übertragern trafosymmetrisch zu machen. Das kostet aber viel Zeit und Geld.

Manchmal werden bei solchen Problemen auch einfach die Schutzerde-Anschlüsse am Schuko-Netzstecker von Geräten "abgeklebt". Das hilft zwar manchmal, ist aber höllisch gefährlich und verboten. Zu leicht kann dann nach Gerätefehlern das Gerätegehäuse unter Strom stehen. Also Finger weg, vom Abkleben im Übungsraum ! Das Brummen kriegt ihr sicherer mit der oben beschriebenen Methode in den Griff.

- Die Klimaanlage ist so laut, wenn sie im Übungsraum Südsee-Feeling zaubert - Lösung: Nur noch mit Kopfhörer spielen, mehr Longdrinks für's richtige Gefühl nehmen, oder lauter spielen (die Scheiben sind eh schon beim letzten Sänger-Test gesplittert).

 

Ach ja, es gäbe noch so viele interessante Dinge zu diesem Technik-Thema zu erzählen... - aber das werde ich mir für eine andere Gelegenheit aufheben. Also, ich wünsch' euch störungsfreies Mucken - bis demnächst !

 

Erstveröffentlichung: 1992 für den Verein Bremer Rockmusiker e.V. (RoB - Buch) .

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